Das Stadtmarketing Schillerstadt Marbach hat ein Buchprojekt über Tobias Mayer finanziell unterstützt und freut sich über das Erscheinen des neuen Buches von Prof. Armin Hüttermann. Es zeigt anschaulich, womit sich Mayer beschäftigt hat und warum seine Arbeit bis heute spannend ist. Wer neugierig auf Karten, Sterne oder die Geschichte der Navigation ist, findet hier einen gut verständlichen Zugang zu diesem Teil einer Wissenschaftsgeschichte, die auch mit Marbach verbunden ist. Das Buch ist im Buchhandel erhältlich und auch im Tobias Mayer Museum zu bekommen.
Marbach am Neckar wird meist zuerst mit Literatur in Verbindung gebracht. Zugleich ist die Stadt ein Ort bedeutender Wissenschaftsgeschichte. Mit Tobias Mayer ist hier eine Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts geboren, deren Arbeit weit über den lokalen Rahmen hinausreichte und in internationale wissenschaftliche Zusammenhänge wirkte. Seine Biografie verbindet Marbach mit zentralen Entwicklungen in Astronomie, Kartographie und Navigation.
1723 ist Tobias Mayer in Marbach am Neckar geboren. 264 Jahre nach seinem Tod beschreibt Prof. Armin Hüttermann anhand von Mayers kartographischem Wirken ein bedeutendes Kapitel von Wissenschaftsgeschichte.
Tobias Mayer arbeitete als Astronom, Mathematiker und Kartograph. Seine Tätigkeit war geprägt von einem empirischen, kritischen und methodisch reflektierten Zugang, wie er für die Aufklärung charakteristisch ist. Karten waren für ihn nicht nur Darstellungen von Räumen, sondern wissenschaftliche Arbeitsinstrumente. Auf der Grundlage systematischer Messungen, sorgfältiger Datensammlungen und überprüfbarer Verfahren entwickelte er Karten und Tabellen, die einen neuen Anspruch an Genauigkeit formulierten.
Von besonderer Bedeutung war seine Arbeit zur Bestimmung des Längengrads auf See. Durch die Nutzung von Monddistanzen verband Mayer astronomische Beobachtung mit praktischer Navigation. Seine Berechnungen und Tabellen trugen dazu bei, die Sicherheit der Seefahrt zu erhöhen und die Orientierung auf den Weltmeeren zu präzisieren. Die Rezeption seiner Arbeit blieb nicht auf den deutschen Raum beschränkt, sondern fand auch in anderen europäischen Ländern Anwendung, unter anderem in der britischen Navigation, etwa im Umfeld von Seefahrern wie James Cook.
Obwohl Tobias Mayer Marbach bereits in jungen Jahren verließ, eröffnet seine wissenschaftliche Bedeutung ein zusätzliches Kapitel der Stadtgeschichte. Seine bahnbrechenden Innovationen in der Kartographie und Navigation zeigen, wie auch Persönlichkeiten aus kleinen Orten internationale Wirkung entfalten können. Sein Wirken ergänzt das literarische Profil der Stadt um eine wissenschafts- und technikgeschichtliche Dimension und verweist auf die Vielfalt kultureller Traditionen, die mit Marbach verbunden sind.
Charakteristisch für Mayers Arbeitsweise ist zudem ein Umgang mit Wissen, der Unsicherheiten nicht verdeckt, sondern sichtbar macht. Wo Daten fehlten oder Messungen noch nicht abgesichert waren, wurden Lücken kenntlich gemacht. Diese Form wissenschaftlicher Redlichkeit, also die bewusste Darstellung von Nichtwissen, entspricht einem zentralen Anliegen der Aufklärung und ist auch aus heutiger Perspektive anschlussfähig.
Aktuelle Forschungen tragen dazu bei, diese Zusammenhänge neu sichtbar zu machen. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Publikation von Armin Hüttermann, die Tobias Mayer als Wissenschaftler der Aufklärungszeit in den Mittelpunkt stellt und seine Arbeiten zur Kartographie, Astronomie und Navigation in ihren historischen Zusammenhängen erläutert. Das Buch eröffnet einen vertieften Blick auf Mayers Arbeitsweise, seine Methoden und die Reichweite seiner Wirkung und lädt dazu ein, dieses Kapitel Marbacher Wissenschaftsgeschichte näher kennenzulernen.
Im Kontext von Stadtmarketing und kultureller Vermittlung eröffnet das Thema die Möglichkeit, Marbach nicht nur als Literaturort, sondern auch als Ort der Wissenschaftsgeschichte zu zeigen. Tobias Mayer steht für Neugier, Genauigkeit und den Anspruch, die Welt mit den Mitteln seiner Zeit präziser zu erfassen. Diese Haltung verbindet historische Erfahrung mit gegenwärtigen Fragen von Wissen, Vermittlung und kultureller Identität.
LO/ssm
Armin Hüttermann: Kartographie neu gedacht. Tobias Mayer und die Karten der Aufklärungszeit. Stuttgart, Franz Steiner Verlag, 2026. 195 Seiten, 156 farbige Abbildungen. ISBN 978-3-515-14061-4. 35,00 Euro.