150 Jahre Marbacher Schillerdenkmal

Mit einem Picknick auf der Schillerhöhe und einem Vortrag von Stadtarchivar Albrecht Gühring erinnerte der Marbacher Schillerverein an die Einweihung des Schillerdenkmals vor 150 Jahren. Das Publikum versammelte sich direkt am Denkmal, um mehr über seine Entstehung zu erfahren. Die Veranstaltung war eingebunden in die Aktionswochen des Stadtmarketing Schillerstadt Marbach anlässlich dessen 25-jährigem Bestehens.

Zu Beginn berichtete Albrecht Gühring, dass er kurz vor der Veranstaltung Verschmutzungen am Denkmal beseitigt hatte. Für ihn gehört diese Pflege zum Umgang mit einem Erinnerungsort, der Teil der Marbacher Stadtgeschichte ist.

Gühring verfolgte die Entwicklung von Schillers Tod im Jahr 1805 bis zur Einweihung des Denkmals am 9. Mai 1876. Bereits kurz nach Schillers Tod gab es erste Überlegungen für ein Denkmal. Kriege und politische Umbrüche verhinderten zunächst die Umsetzung. Als der Gürtlermeister Franke 1812 mithilfe von Zeitzeugen Schillers Geburtshaus eindeutig bestimmte, erhielt die Marbacher Erinnerungsarbeit eine konkrete Grundlage.

Gühring berichtete auch über den jahrzehntelangen Streit zwischen Marbach und Stuttgart. Die Residenzstadt beanspruchte Schiller als Dichter des Landes. Marbach begründete seinen eigenen Anspruch mit seiner Stellung als Geburtsstadt. Der Konflikt wurde öffentlich geführt und reichte bis in das württembergische Innenministerium. Dennoch hielten die Marbacher an ihrem Vorhaben fest.

Bereits ab 1835 wurde die heutige Schillerhöhe gemeinsam gestaltet. Felsen wurden gesprengt, Wege angelegt und Bäume gepflanzt. Gühring zitierte die Schriftstellerin Ottilie Wildermuth, die schilderte, wie Menschen aller Bevölkerungsschichten an diesem Gemeinschaftswerk mitwirkten oder die Arbeitenden unterstützten.

Nach der Wiedergründung des Schillervereins im Vorfeld von Schillers 100. Geburtstag setzte der Verein die Arbeit an dem Vorhaben fort. Er erwarb das Geburtshaus, legte den Grundstein für das Denkmal und kümmerte sich über viele Jahre um die Finanzierung. Erst eine Lotterie, viele Spenden und schließlich die Zusage von Kanonenbronze ermöglichten die Verwirklichung des Denkmals nach den Entwürfen des Bildhauers Ernst Rau und des Architekten Konrad Dollinger.

Zur Einweihung am 9. Mai 1876 kamen rund tausend Gäste nach Marbach. Pferdefuhrwerke brachten sie vom Bahnhof Ludwigsburg in die Stadt. Ein Festzug führte vom Rathaus über das Geburtshaus auf die Schillerhöhe. Chöre, Festreden und eine eigens komponierte Festkantate gehörten zum Programm.

Zum Abschluss stellte Gühring das Marbacher Denkmal dem älteren Stuttgarter Schillerdenkmal gegenüber. Während die Stuttgarter Figur nach seiner Auffassung eher ernst und zurückhaltend wirke, zeige das Marbacher Denkmal einen aufrecht in die Zukunft blickenden Schiller. Gühring verstand das Denkmal als Ergebnis jahrzehntelanger bürgerschaftlicher Arbeit. Der Schillerverein knüpfe daran bis heute an.

ssm/LO

Schillerdenkmal in Marbach am Neckar · Foto: Lorenz Obleser

Schillerdenkmal in Marbach am Neckar · Foto: Lorenz Obleser